Grabungsarbeiten im Feld der Körpergefühle


Collenberg / Ponicanova

15.1 - 6.2.2004

Collenberg/Ponicanova fertigen Kleidungsstücke von grosser Klarheit. Im Spiel mit feinen und groben Kontrasten zeigen die Textildesignerinnen, wie körperlich Ideen zu verstehen sind. Berührungsqualitäten, Alltagsbeobachtungen, Tierbilder und Zitate aus der Modegeschichte gehen mit den ungewöhnlichen Trageweisen Symbiosen ein.

Die Assoziationsreihen zu den Kleidern und ihren Kombinationen sind entsprechend abenteuerlich: Ein Schalkragen mündet in eine Baustellenabschrankung. Was aussieht, wie der Strampelanzug für eine Seeanemone, ist eine Kapuze, die sich mit vier leeren Tentakeln an den Hals schlingt. Grobe Wollpanzer tragen sich wie Kletterrucksäcke voller Notration. Taue scheinen sich zu einem Handschuh zu wickeln – am Halstuch verzahnen sie sich mit den grätigen Linien eines Hasenfells.

Mit der Winterkollektion 2003 vertiefen Collenberg/Ponicanova ihre Grabungsarbeit im Feld der Körpergefühle. Handschuhhalter, wie sie Eltern ihren Kindern gegen das Verlieren/Vergessen durch die Mäntelchen ziehen, verlaufen nun in Adersträngen über die ganze Jacke. Das Geflecht legt eine Erziehungstechnik frei, die im Kindergartenkindern textile Erlebnisse zusammen mit Besitzverhältnissen einprägt. Die Erinnerung daran kombinieren Collenberg/Ponicanova unerwartet mit freischwebenden Hosenträgertaschen und knotigen Muffen. Bekleidungshandlungen der Kindheit entführen Bekleidungshandlungen der Grosselternwelt in ein Körpergefühl jenseits von jung und alt.

Aus den «Hemdkleidern» gehen weitere gesellschaftliche Bezüge hervor: Je nach Grösse spielen die Karomuster auf Millimeterpapier, Handtücher oder Tischtücher an. Die Verweise changieren zwischen Büro und Haushalt. Dabei sind Hemd und Rock zu einer Einheit vernäht, die am Rücken bis zum Steiss aufgeschlitzt ist und mit Bändeln zugeschnürt wird. Das Krankenhaushemd taugt für den Strasseneinsatz. Die Unterscheidungen von Ober- und Unterleib, Kopf und Bauch gehen in diesem Kleidungsstück gegen sich selbst demonstrieren.

Collenberg/Ponicanova verschieben die für unsere Kultur grundlegenden Zweiteilungen. Sie durchqueren die Parallelisierungen von Begriffspaaren wie «weich und hart», «spassig und ernst», «intuitiv und geplant», «intim und öffentlich», «weiblich und männlich» und verstricken sie in eigene Bekleidungselemente. Es sind diese Verstrickungen, die es erlauben, das Material in der Form zu befreien, die Form im Material.