Alpentuch


Sibylle Aeberhard

25. August bis 17. September 2005


Was assoziieren Sie zum Begriff „Alpenwelt“: Edelweiss und Alpaufzug? Der Mythos wird nach wie vor geprägt durch Werte wie Beständigkeit, Tradition und Ursprünglichkeit. Als eine moderne Assoziation kann der Alpenraum als eine Art Freizeitpark gesehen werden. Die Zeichen des Freizeittourismus prägen das Bild der Alpen zusätzlich.

Sibylle Aeberhard greift den Mythos „Alpenwelt“ auf, ergänzt ihn und setzt ihn mit Witz und Ironie in ein zeitgemässes textiles Bild um. Dazu wählt sie, als den einfachsten textilen Nenner, das Tuch. Es ist vielseitig einsetzbar und soll im urbanen Umfeld ein Begleiter im Alltag sein.

Der Scherenschnitt, eine bekannte Technik aus dem Alpenraum, wird aufgenommen, interpretiert und grossflächig umgesetzt. Er wird einerseits als Druckmotiv, andererseits als Verfahren des Schneidens bei der Rand- und Flächengestaltung eingesetzt. Sibylle Aeberhard wählt dazu Zeichen aus, die mit dem Alpenraum in Verbindung stehen, aber nicht zu den gewohnten Klischees gehören, und interpretiert sie neu: Neben dem traditionellen Alpaufzug sind Schneeschuhläufer und Mountainbiker zu entdecken. Der typisch anekdotische Charakter des Scherenschnittes bleibt erhalten. Geschichten werden erzählt und Erinnerungen geweckt. Mit dem Spiel von unterschiedlichen Grössenverhältnissen und Motivkombinationen wird das Thema der Alpenwelt mit Ironie unterstützt.

Neben der stilisierten Ästhetik der Motive wird durch die Wahl der Farben, dem Einsatz typischer Materialien wie Wollloden oder Leinengewebe und spezifischer Techniken wie Stickerei und Applikation ein folkloristisches, rustikales Ambiente zitiert.
Gedacht sind die grossflächigen Tücher aus verfilztem Wollstrick oder Loden für den Wohnbereich oder als mantelartiger Umhang. Die feineren, leichten Wollcarrés und klassischen Schalvarianten ergänzen die tägliche Garderobe.

Die Kollektion der Alpen-Tücher entstand im Rahmen der Diplomarbeit 2004 an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Sie wurde für die Ausstellung bei tuchreform noch weiter entwickelt.

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