Les rêves de Geneviève


Françoise Adler

26. Januar bis 18. Februar 2006

Geneviève ist jung, mutig, selbstbewusst, sinnlich mit einem Hang zur Extravaganz und dem Luxus. Sie liebt das Leben, den Tanz, die Musik und das Fest, ist verspielt, romantisch und mag Tiere, wobei sie allerdings manchmal sonderbare Vorlieben zeigt ... Leider gibt es Geneviève nur in der Phantasie – sie ist eine fiktive Schöpfung der jungen Designerin Françoise Adler, die ihre Kunstfigur durch entsprechende Kleidung visuell greifbar werden lässt; ebenso hat Geneviève einen Wohnraum erhalten, der sie charakterisiert.

Mit der Kleidung und der Ausstattung unserer Wohnung, unserer Umgebung offenbaren wir bewusst oder unbewusst unseren eigenen, ganz persönlichen Charakter. Kleidung und Wohnung sind unsere dreidimensionale Handschrift. Durch sie senden wir fortwährend verschlüsselte Botschaften aus und malen ein sich ständig veränderndes Bild von uns in die Köpfe unserer Mitmenschen. Dieses Phänomen macht uns das Werk „Les rêves de Geneviève“ bewusst.

Geneviève hat drei Kleider erhalten, die sie charakterisieren. Auf „Capote de la Victoire“, dem Siegeskleid, kriechen Ratten durch das Gewebe, ohne aber zur Trägerin vordringen zu können: Wo endet das „Aussen“ eines Menschen, wo beginnt sein „Inneres“? Das zweite Kleid, „Preuve de Courage“, ist wahrlich eine Mutprobe, ballen sich darauf doch Bienen an sensiblen Stellen des Körpers. Die Ballrobe, „En mémoire de mes chiens“, wirft die Frage auf, wie sehr wir zu unseren (auch abstossenden) Vorlieben stehen können und inwiefern wir mit unserem Selbst identisch sein dürfen.

Das ganze Werk ist in einem Raum inszeniert, in dem die Kleider eine weitere Bedeutung und Ausstrahlung erhalten. Überraschende Details laden zu einer Entdeckungsreise im virtuellen Raum Genevièves ein. Die Begegnung mit Geneviève berührt und weckt Erinnerungen wach.

Zur Ausstellung bei tuchinform entwirft Françoise Adler exklusiv eine Schalserie, wobei sie Motive von Genevièves Kleidung aufnimmt.

„Les rêves de Geneviève“ entstand 2005 als Diplomabschlussarbeit an der HGK Luzern. Die technische Herausforderung des Projekts lag darin, zum Inkjetdruck eine digitale Lösung für ein nahtübergreifendes und schnittgerechtes Entwerfen zu finden. Entsprechendes Ziel der Arbeit war es unter anderem, eine Vielfalt von Materialien aufzuzeigen, die mit dem heutigen Stand der Technik bedruckt werden kann.