Inside out


Mireille Tscholitsch

Donnerstag, 24. August - Samstag, 16. September 2006

Textil und Raum – beides sind gestaltete Konstruktionen mit einem Aussen und einem Innen. Mireille Tscholitsch folgt dieser Parallele, hebt Grenzen auf und verknüpft die Elemente zur Einheit. Das Textil wird zum Raum, der Raum zum Textil, einem begehbaren Stoff. Der Besucher begibt sich mitten in die textile Form und nimmt Teil am textilen Prozess.

Der Blick geht ins Innere. Da ist der Innenraum, wo der Mensch zur Ruhe kommen darf, ein Ort der Erholung und Entspannung. Und da ist die Rückseite eines bestickten Stoffes, wo sich die Fäden spannen, verschlingen und verknoten und so die Motive der Vorderseite verfremden. Hier wird das Unbewusste, Unkontrollierte zugelassen und es wird sichtbar, wie die Dinge im Zusammenhang stehen und sich verbinden.

Mit der Stickerei und dem klassischen Motiv der Blumen verbinden wir weibliche oder poetische Werte; sie machen den Raum zum lieblichen Garten, zum Ort der Ruhe und des Vergnügens. Weil wir aber die Rückseite des textilen Bildes betrachten, wird die Idylle verfremdet und in Frage gestellt. Bekannte Dinge erhalten Risse und neue Blickwinkel werden möglich.

Indem sich der Besucher mitten ins Textil begibt, erfährt er einen Massstabsprung, der ihn ins Detail der bunten Blumenstickerei und in die Tiefe führt. Und während er meint, das Materielle und Plastische der Stickerei unmittelbar zu erfahren, sieht er sich nur mit deren Idee konfrontiert: Die Stickerei entpuppt sich als Inkjet-Druck.

Der Raum, um den es geht, ist kein beliebiger, sondern der Galerieteil von tuchinform in Winterthur. Die Künstlerin nimmt den Namen des Ortes wörtlich und bringt ein „Tuch in Form“. Wie in einem Stickrahmen spannt sich der bedruckte, elastische Polyesterstoff auf Boden und Wände. Durch die Vergrösserung der Stickmotive erhält die bestehende Architektur eine neue Dimension. Die Form wird unmittelbar dem Raum angepasst und so zur einmaligen Installation.

Mireille Tscholitsch schöpft das künstlerische Werk aus poetischen und philosophischen Gedanken. Gleichzeitig verbindet sie es mit der Entwicklung neuer innenarchitektonischer Möglichkeiten. Die Firma Clipso in Allschwil hat deshalb die Arbeit technisch und finanziell grosszügig unterstützt.


Pressespiegel

Freundin CH 19. Juli 2006
Textil Revue 14. Juli 2006
Textilforum 3/06 September
TextilForumTextile 3/06
NZZ, 12. September 2006