Collection curieuse


attache-moi
 

comment
 

reine de pompon
 

reine de pompon detail
 

reine de pompon detail
 

jean-louis en vacances
 

Marsha Jäggi

Donnerstag, 25. Januar - Sonntag, 21. Februar 2007

Angezogen und verführt von Kuriositätenkabinetten der Renaissance, hat Marsha Jäggi eine Vorliebe für kuriose Dinge in ihrer Umgebung entwickelt. Mit unverstellter Neugierde streift sie durch Brockenhäuser, Floh- und Supermärkte, kleine Läden, Strassen und Dachböden, kauft, sammelt, kombiniert. Sie beraubt wertlose Gegenstände ihrer ursprünglichen Funktion und verleiht ihnen eine neue Bestimmung.

Die „Collection curieuse“ ist eine Serie von Kleidern und Accessoires, die lustvoll mit genormten und anormalen, bekannten und überraschenden Dingen spielt und Glücksmomente in gestalterischer Form beschert.

In einem kroatischen Laden stiess Marsha Jäggi auf ein geflochtenes Körbchen mit zwei niedlichen Kätzchen darin – ein Dekorationsartikel, der bei den meisten Menschen Kitsch-Alarm auslöst. In ungewohnter Kombination mit einem Nietengürtel verwandelt er sich jedoch in ein rockiges Accessoire. In der Kindheit geliebt, in der Pubertät gehasst: Die rosaroten Ohrwärmer mit Plastiksteg aus der Kommode der Cousine bekommen übergrosse Plastikohrmuscheln übergestülpt und zeigen so demonstrativ, dass sie nicht nur getragen werden, um zu wärmen, sondern auch um vor Geschwätz zu schützen – wie bitte?

Mit offenem Blick findet Marsha Jäggi einfache Spuren unserer Zeit, greift sie auf, macht aus ihnen ein lärmendes, explosives Textildesign oder gibt ihnen ein neues, überraschend edles Gesicht: Lady Crackers, ein Muss im Hosensack der Lausbuben, finden sich unverhofft in einer eleganten Blusentasche wieder; Abdrücke ihrer Fahrradkette trägt die moderne Frau nicht als fettiges Missgeschick auf den Waden, sondern als Ornament aus Strassstein auf ihren Strümpfen.

Intuitiv, beinah kindlich forschend pendelt Marsha Jäggi lustvoll zwischen dem Möglichen und Unmöglichen, vertauscht Dimensionen, wagt krumme Blickwinkel und ermöglicht eine ungewohnte Nutzung von Dingen, die ihre Funktion erfüllt haben und der Entsorgung warten. Sie kombiniert neu, verfremdet, schenkt alt bekannten Dingen eine neue Wertschätzung und lehrt uns zu staunen.

Die „Collection curieuse“ entwickelte Marsha Jäggi für ihre Diplomarbeit an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern 2005. Die Artikel sind käuflich.