Collection de collants - surprise


Romana Taylor

25. Oktober bis 17. November 2007


Kein anderes Kleidungsstück ist so voller Symbolik und Konnotationen wie der Strumpf. In den wenigen Jahrzehnten seiner Geschichte wurde er zum Synonym für Weiblichkeit und Erotik. Die Strumpfhose hat ihn weitgehend abgelöst – ein eigenwilliges Accessoire, das sich immer wieder völlig anders präsentiert.

Der Strumpf umgibt das Bein wie eine zweite Haut. Ausgezogen liegt er stark verkürzt, schlapp und leblos da. Erst am Bein beginnt er zu leben und entfaltet seine geheimnisvolle Schönheit – oder ist es jene der Trägerin? Jede Frau gibt dem Strumpf seine individuelle Gestalt.

Der Strumpf besässe keine eigene Form, da er sich am Körper völlig parasitär verhalte, meinte Roland Barthes. Die Textildesignerin Romana Taylor hinterfragt diese Aussage und erklärt die Strumpfhose zum Experimentierfeld. Sie untersucht die haptischen und optischen Qualitäten und findet aus der Analyse und Recherche heraus spezifische Gestaltungsmöglichkeiten. Die Strumpfhose wird zum Objekt im Raum, zur Skulptur in der Bewegung.

Romana Taylor benutzt das ganze Vokabular der textilen Techniken, geht aber immer einerseits vom fragilen, elastischen Material, andererseits von Konnotationen des Strumpfes aus. Die Laufmasche, von jeder Frau schon oft verwünscht, mutiert dank der Heissluftpistole zum Spitzenornament. Nahtlinien und florale Motive erhalten überraschende Gestaltungsformen. Eine phosphorezierende Linie auf schwarzem Grund erscheint in der Nacht als seltsames Lichtspiel jenseits der Realität – eine Anspielung auf traumhaft schöne Beine?

Je nach Anlass ist die Strumpfhose anders aufgeladen: Zum Abendkleid darf sie verführerisch, bei der sportlichen Betätigung muss sie praktisch sein.

Die Strumpfhose an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, aufgeladen mit Begierde und Phantasie: Romana Taylor greift neue Materialien und Techniken auf und verbindet in ihrer kleinen Kollektion Mode, Kunst und Architektur.

Die Prototypen dieser Ausstellung entstanden als Diplomarbeit an der Schule für Gestaltung Basel. Die Arbeit wurde für den Lucky Strike Designer Award nominiert und für tuchinform neu konzipiert.