Masche um Masche


Marlis Candinas

Donnerstag, 7. Februar –  Samstag, 1. März 2008

Traditionelle Strick- und Häkelmuster, Spitzenkragen und Pullover aus Grossmutters Zeiten sind der technische Fundus, aus dem sich die Modedesignerin Marlis Candinas mit Liebe, Respekt und Leidenschaft bedient. Was früher in ganz feinen Garnen flächig gearbeitet wurde, gestaltet sie zum monumentalen, dreidimensionalen Objekt, in dessen ungewohntem Volumen die überlieferten Muster eine neue Definition erhalten.

Der Faden ist die Grundeinheit, mit ihm beginnt die zunächst malerische Gestaltung. Marlis Candinas mischt verschiedene dünne Garne zum ungezwirnten dicken Faden im gesuchten Farbton. So kommt sie zu einer starken Aussage: Grau ist nicht gleich grau, blau ist nicht gleich blau, vielmehr komprimieren sich die vielen verschiedenen Töne zur im Lichte schillernden Farbigkeit.

Als Impuls für eine neue Kollektion können der Designerin etwa Strukturen und Farbstimmungen von Steinen oder Pelzen dienen. Wenn Marlis Candinas diese Inspiration in bildhafte Accessoires und Kleider transferiert, verschränkt sie ihre einfühlsame Naturverbundenheit mit der Leidenschaft für alte Techniken und Muster. Sie häkelt etwa einen Spitzenkragen im Muster eines alten Zierdeckchens, doch bläst sie dieses zum archaischen Pelz auf. Ein durchbrochen gestrickter Schal in schöner Dreidimensionalität oder ein zotteliger Umhang sind luftig-leichte Objekte, wärmende „Häute“ für die Frau unserer Zeit.

In einem anderen Kontext stehen Strick- und Häkelmaschen, wenn sie mit einem Gewebe kombiniert werden. Marlis Candinas nimmt klassische Kleiderschnitte und ergänzt sie mit einer Spitze, einer Borte, einem Schnittteil in den traditionellen, von ihr aber neu interpretierten Techniken. Die Details aus weichen Maschen bringen die eher strengen Kleiderschnitte zu einer ungewohnten Aussage. Gegensätze wie fein –grob, leicht – schwer, klar – verschwommen, glänzend – matt ergeben faszinierende Collagen. Dabei bleibt das Kleidungsstück oder Accessoire stets funktional und schmeichelnd für die Trägerin.